Hypersensibilität


In den letzten Jahren habe ich viel und häufig mit Menschen gearbeitet, die sehr leicht und extrem, das heißt sensibler auf ihr Umfeld und auf Reize reagieren. Sie nehmen im Verhältnis zu anderen mehr und stärker wahr, was um sie herum passiert. Sie hören besser, nehmen Gerüche und Geschmäcker intensiver wahr, spüren Haltungen und Subtexte, beziehungsweise Unklarheiten oder Zweideutigkeiten in Botschaften schneller. Meistens ist ihr Gefühl stark mit körperlichen Reaktionen verknüpft. Das hat zum einen den Vorteil, dass ich sie im Unterricht sehr schnell und mit wenigen richtigen Knöpfen lockern und lösen konnte, sie aber anfangs das Erfahrene nur schwer konsequent außerhalb des Unterrichts umsetzen konnten. Mit der Hypersensibilität geht also meistens eine überdurchschnittliche Wahrnehmungsfähigkeit einher, mit der man selbst sehr verantwortungsvoll umgehen muss, um den eigenen Körper und die Nerven nicht zu überreizen. 

Hypersensible Personen reagieren häufig sogar schon auf Dinge und Situationen, die noch garnicht eingetreten sind, nur weil sie die Möglichkeit erahnen, das etwas eventuell sein könnte, weil sie merken, dass jemand nur den Gedanken an etwas hegt. Dabei passiert dann häufig das Phänomen der „Selbsterfüllenden Prophezeiung“. Ich reagiere auf eine Situation, die noch gar nicht eingetreten ist und leite somit in meinem Umfeld und in mir einen Prozess ein, der gar nicht notwendig gewesen wäre. 

Im Singen wäre das beispielsweise: Jemand denkt, dass ich dieses Mal nicht besonders schön singen werde. Ich denke, dass ich nicht schön Singen werde. Meine Kehle geht zu. Ich singe nicht besonders gut.

In Partnerschaft: Er oder sie denkt an mögliche andere Partner. Ich denke, dass er/sie an andere denkt und dass ich nicht genüge. Verhalte mich seltsam und bin voller Selbstzweifel. Mein/e PartnerIn verlässt mich und geht zu einem lebensfrohen und starken Menschen.

Alles sehr einfach, bekannt und logisch. Letztendlich braucht es dann nicht mal mehr den Reiz von außen, weil man so gewöhnt ist in diesem Muster zu funktionieren. 

Ich nenne das mittlerweile nur noch Selbstsabotage.

Doch wie ist es nun in unserer von Reizen überfluteten Welt möglich, ohne sich aus sozialen Gefügen und von starken Reizen behafteten Situationen ständig entziehen zu müssen? Ich habe gesagt, ich schreibe hier über das innere und äußere Glück. Wie kann ich also glücklich sein, wenn ich so schnell reizüberflutet und überfordert bin und mir deshalb meine eigenen Bedürfnisse komplett entgleiten?

Wie ist es möglich so viel zu spüren und dabei mir und meinem Umfeld gegenüber offen und gelassen zu begegnen? 

Nun, in den letzten 5 Jahren habe ich mich fast ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt und mit ein paar wenigen und konkreten mentalen und körperlichen Tricks, ist das Leben auch mit dieser ausgeprägten Wahrnehmungsfähigkeit sehr einfach und im Fluss. 

In den nächsten Einträgen werden wir Schritt für Schritt die einzelnen Komponenten beleuchten und konkret die Zahnrädchen beschreiben, an denen es sich zu drehen lohnt und welche man lieber einfach so lassen sollte. 

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