Die 7 Ebenen

Im Studium und im Laufe der Jahre versuchte ich nach und nach die verschiedenen Ansätze der verschiedenen Lehrer und Mentoren in ein Konzept mit Struktur zu ordnen, das für mich funktionierte. Mir fiel auf, dass jeder der mit Körper oder Stimme arbeitete immer wieder über sehr ähnliche Körperpartien sprach und wie sie untereinander zusammenhingen. Meistens ging es dabei häufig um bildhafte Vergleiche oder Gefühle im Bezug auf eine Körperregion. Das war für mich damals nicht konkret genug und schwer reproduzierbar. Witziger Weise verwende ich nun selbst sehr viele Vergleiche, die mir im Studium ein Rätsel waren, und die mir erst im Nachhinein beim Unterrichten einleuchteten. Um das Körpergefühl aber konkret zu verstehen und muskulär in jedem Moment abrufen zu können, versuchte ich mir das gesamte System in 7 verschiedene Ebenen zu gliedern. Erst vor einem halben Jahr las ich ein Buch über Yoga und war nicht wirklich überrascht, dass dort die Chakren sehr  ähnlich und fast identisch zugeordnet werden. 

Im Prinzip ist eben, wie bereits gesagt,  alles das selbe. Ich baute meinen Unterricht nach und nach auf diesen 7 Ebenen auf und brachte meine Schüler erstmal nur muskulär in den Flow. Manche hatten bis zu diesem Punkt in der Stunde noch keinen einzigen Ton gesungen. Und manche guckten erstmal ein bisschen erstaunt, schließlich hatten sie ja Gesangsunterricht nehmen wollen. Wiedergekommen sind so gut wie alle und einige strichen den reinen Gesangsunterricht und wollten noch andere und schnelle Methoden für dieses Gefühl lernen. 

Mir war es aber vor allem wichtig, dass sie meinen Unterricht und das Singen immer mit diesem Gefühl in Verbindung bringen, damit sie aus jeder Stunde gelöst heraus gehen und zu Hause nicht mit zu viel Druck singen und im Alltag agieren. Ich gebe immer ganze Stunden Gesangsunterricht. Die ersten 15 Minuten sind dafür eingeplant, sie in dieses Fließen zu versetzen. 

Wir brauchen einen offenen, durchlässigen, entspannten und dabei sehr aktiven Körper, damit der Geist ebenso folgen kann. 

Die verschiedenen Ebenen sind (wie im Bild eingezeichnet) auf Höhe der Füße (1) , des Beckenbodens (2), des Bauchs (3), des Zwerchfells (4), des Herzens (5), der Kehle und Zunge (5) und auf Höhe der Stirn (6). Auf jeder Ebene kann ich über ein konkretes Entspannen gewisser Muskeln herbeiführen, dass der Körper sich aufrichtet und ein anderer Muskel sich öffnet. Auf Höhe des Herzens (5) denke ich Beispielsweise nicht, dass ich die Schultern zurück ziehe, die Schlüsselbeine dehne und das Brustbein nach oben schiebe. Ich gehe immer über die Antagonisten (d.h. die Gegenspieler) und die Agonisten öffnen. In diesem Fall lasse ich die Schulterblätter entspannt nach unten hinten sinken und öffne dabei automatisch die Brust nach vorne oben. 

Auf jeder Ebene entsteht dadurch eine Bewegung mit einer Öffnung über „Vorne-Oben-Hinten-Unten“.  Da es etwas schwierig ist, dies konkret muskulär und ohne Veranschaulichung zu erklären, werde ich nach und nach die einzelnen Ebenen mit Zeichnungen und evtl. Fotostrecken erläutern. 

Aber nun von vorne. Alle Schüler müssen sich die ersten paar Minuten auf eine bestimmte Weise die Füße (1) massieren, um anzukommen und sich zu lockern. Probieren Sie direkt mal etwas aus. Spannen Sie jetzt direkt ganz fest Ihre Füße an. Die meisten von Ihnen werden merken, dass Sie sowohl eine Spannung im Bauch(3), als auch eine Spannung in der Zunge(6) wahrnehmen können. 

Spanne ich den Hintern und somit auch den Beckenboden(2) an, werden Sie ähnliches bemerken. Die verschiedenen Ebenen reagieren also stark aufeinander, was wir uns zu Nutze machen. Das, was meine allererste Hausaufgabe für alle Schüler ist, ist dass sie bei allem was sie im Alltag tun, stets darauf achten sollen, die Füße zu entspannen und zu lösen. Vor allem, wenn man sich gerade in Phasen befindet, in denen man großen Druck im Alltag hat, ist das oft schon ein Wundermittel. Habe ich einen plötzlichen Reiz von außen und ein darauffolgendes Gefühl, das mir nicht gefällt (z.B. durch einen lärmenden Krankenwagen), entspanne ich mittlerweile direkt und instinktiv meine Füße und öffne meinen Körper. Der Krankenwagen hat so keine Auswirkung mehr auf mein Stresslevel oder meinen Gemütszustand. 

Bei mir und wie ich feststellte bei vielen meiner Schüler, sind das Gefühl von Adrenalin im Körper und ein Gefühl von Angst sehr nah beieinander. Der Moment in dem ein von Adrenalin geladener Zustand in Panik umkippt ist der, in dem ich meine Füße, bzw. meinen Bauch und Beckenboden anspanne. Das würde mir auf der Bühne klar. Das Adrenalin kommt langsam oder plötzlich, bleibe ich locker, macht es den Auftritt sehr viel besser, „schließe“ ich eine Ebene, werde ich unkontrolliert und panisch. 

Auch das können wir direkt ausprobieren. Stellen Sie sich etwas vor, das in Ihnen Angst auslöst. Am besten etwas sehr konkretes wie Höhe, Spinnen, Dunkelheit, ect… Es muss gut reproduzierbar sein. 

Stellen sie sich konkret vor, wie sie sich fühlen, wenn Sie damit konfrontiert werden und beobachten Sie, was auf Ebene 1, 2, 3 und 6 passiert. Bleiben sie bei dem Gefühl. Fühlen Sie es wirklich ganz konkret im Körper? Okay, dann lösen Sie jetzt bewusst die Füße und den Bauch. Viele fangen bei dieser Übung instinktiv an zu lächeln, weil der Körper so im Widerspruch zu dem steht, was gerade gefühlt wird.

In extremen Situationen werden Sie womöglich nicht lachen, aber ihr Kopf bleibt ruhig und klar und sie schalten direkt in den Flow. 

So viel zur groben  Theorie. Die Einzelheiten folgen nach und nach. Bis dahin können Sie schonmal üben bei allem was sie tun, Ihre Füße zu entspannen. Wie man sie beim massieren sehr schnell lockert kommt im nächsten Beitrag. 

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