Bauch und Beckenboden lösen

Schon sehr früh lernen wir, dass ein flacher Bauch dem Schönheitsideal entspricht und ziehen irgendwann, egal wie wenig vorhanden die Plauze sein mag, vollkommen unbewusst den Bauch ein und spannen den unteren Bauch und den Beckenboden an. Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass sehr viele Magen-Darm-Probleme (die in unserer heutigen Gesellschaft ja schon eine Volkskrankheit sind) auch zu einem großen Teil daher kommen, dass unser System unter dieser permanenten Verkrampftheit in der Körpermitte gar nicht optimal funktionieren kann. Ob es nun das Verdauungssystem, das Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System, die Koordination oder auch das Stresslevel betrifft. Ich merke zumindest selbst überall eine entscheidende Verbesserung, seit ich vor zwei Jahren angefangen habe, Bauch und Beckenboden den ganzen Tag über bewusst zu lösen. Besonders in Zeiten in denen ich übertrieben viel Sport gemacht habe, war es extrem wichtig zu jeder anderen Zeit des Tages einfach nur loszulassen. 

Hier ein paar Möglichkeiten um überhaupt erstmal in die Entspannung zu kommen.

  1. Ich Eine meiner liebsten und einfachsten Varianten ist es, den Schülern ein langes Seitenschläferkissen oder eine sehr dicke Decke um den gesamten Bauch und Rücken zu wickeln. Probieren Sie es direkt mal aus und Sie werden merken, dass Sie sofort den Bauch entspannen und viel mehr und besser atmen können.
  2. Hängesessel, Hängematten und Badewannen in Verbindung mit schöner Musik wirken Wunder. Der Hängesessel kommt in meinem Unterricht sehr häufig zum Einsatz. Verbindet man die Ein- und Ausatmung mit dem Hin- und Herschaukeln ist es noch effektiver.
  3. Was auch gut funktioniert ist, im Sitzen erst die unteren Beckenknochen (Sitzhöcker), die man auf dem Stuhl gut spürt, beim Ausatmen fest zusammenzuziehen. Wenn man wirklich alle Luft komplett ausgeatmet hat und schon denkt, man implodiert förmlich vor lauter Spannung, lässt man die Sitzhöcker los und auseinander gleiten und entspannt dabei alle Muskeln. Die Einatmung kommt dann ganz erlösend und tief und der Beckenboden und das Zwerchfell fallen von alleine nach unten. Hat man das ein wenig geübt, versucht man immer so einzuatmen und lässt die Anspannung beim Ausatmen einfach weg.
  4. Am unteren Rücken haben wir zwei kleine Einkerbungen links und rechts zwischen der Wirbelsäule und den Hüftknochen. Drücken wir dort beim Einatmen fest mit unseren Daumen hinein, passiert es bei vielen auch, dass sie den Beckenboden besser lösen können.
  5. Wir setzen uns auf einen Stuhl, entspannen den ganzen Körper und lassen alles nach vorne hängen. Dann richten wir langsam Stück für Stück die Brustwirbelsäule und den oberen Rücken auf, ohne dabei irgendetwas an der Muskelspannung abwärts des Solarplexus und des Zwerchfells zu verändern. Die Wirbelsäule ist am Ende aufgerichtet und der Bauch bleibt komplett entspannt. 
  6. Wir legen uns auf den Boden mit den Füßen zur Wand und stellen die Füße so an die Wand, dass die Beine einen 90-Grad-Winkel zum Boden bilden. Dann geben wir starken Druck auf die Füße, pressen dabei den unteren Rücken auf den Boden und versuchen dabei trotzdem Hals und Zunge nicht zu verkrampfen. Dann lösen und wiederholen. Anschließend halten wir unsere Fäuste oder einen Yogablock, zwischen den Knien fest und drücken mit aller Kraft die Knie zusammen. Wieder lösen, wiederholen. Abschließend halten wir von außen mit den Händen gegen unsere Knie, oder binden sie mit einem Gürtel oder Yogaband zusammen. Mit aller Kraft versuchen wir die Knie auseinander zu bewegen. Lösen, wiederholen. Dann vorsichtig aufstehen und dem Unterschied nachspüren. Das Becken ist sehr viel lockerer und der Atem geht tiefer. Ist auch ein Wundermittel bei Schmerzen im unteren Rücken, die sehr häufig mit dem Beckenboden zusammen hängen. 
  7. Wenn all das nichts geholfen hat und nicht selbstständig und konstant reproduzierbar ist, müssen sich die Schüler mit dem Bauch auf einen Hocker legen und alle Gliedmaßen und den Kopf locker hängen lassen, dabei tief atmen, sprechen und singen. Spätestens hier sind die meisten entspannt, weil sie bei der Übung denken, ich bin nun vollkommen verrückt geworden ?

Durch diese Übungen bekommen wir einen ersten Zugriff auf die zweite und dritte Ebene. Da sie sehr stark zusammenhängen, betrachten wir sie hier in diesem Beitrag als geschlossenes System. Bisher habe ich erst einen Menschen kennengelernt, bei dem der Beckenboden auf Knopfdruck komplett gelöst werden konnte, ohne den Bauch dabei auch nur eine Spur lockerer werden zu lassen. Die meisten Menschen lösen die beiden Ebenen aber leichter gleichzeitig.

Doch wie bekomme ich nun diese Lösung auch in jedem Moment im Alltag hin. Im letzten Eintrag ging es um eine Öffnung über Vorne-Oben-Hinten-Unten.

Genau das stelle ich mir vor. Das Becken, das wie eine riesige Schale in unserem Unterkörper liegt, schließt sich nach hinten Richtung Wirbelsäule durch eine knorpelige Verbindung zusammen. Dadurch ist es etwas flexibel und ich stelle mir vor, dass das Becken bei jeder Einatmung (von mir aus gesehen) links und rechts nach vorne seitlich aufklappt. Gleichzeitig entspanne ich auf beiden Seiten den Hintern und die Oberschenkel nach hinten-unten und stelle mir vor, dass der Bauchnabel dadurch ein ganzes Stück weiter nach vorne oben wandert. Dadurch entsteht eine Bewegung die gefühlt alle äußeren Muskeln, die wir so von außen wahrnehmen können, wie Bauch, Oberschenkel, Hintern und unterer Rücken entspannen lässt und uns von innen über die Seiten öffnet. Manche haben das Gefühl, als würden sie ein großes Fenster in beide Richtungen öffnen. Manchen passt das Bild besser, dass man sich wie ein Alien aus seiner äußeren Hülle schält, innen herausschlüpft und die Hülle zu den Seiten hin abfällt.

Als Hilfe nehmen wir nach all diesen Übungen dann oft nur noch, dass wir mit beiden Händen auf der Ebene des unteren Bauchs während der Einatmung folgende Bewegung machen: Hände horizontal mit ein paar Zentimeter Abstand zwischen Zeigefinger und Daumen. Dann beim Einatmen die Hände seitlich öffnen und leicht nach links und rechts unten kippen, sodass der Daumen nach vorne zeigt. 

Na, dann versuchen Sie doch mal bei allem was Sie tun nun die Füße UND Bauch und Beckenboden zu entspannen. Setzen Sie es konsequent durch, werden Sie schon schnell eine Veränderung bemerken können ? 

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